Raumwissen in Hieroglyphen. Die sprachliche Kategorisierung des ägyptischen Ortes Sile (Tjaru) aus prototypentheoretischer Sicht

Eliese-Sophia Lincke

Abstract


In der ägyptologischen Forschung werden Ortsnamen als Quellen für Raumwissen – besonders im Zusammenhang mit Konzepten wie Ausland und Urbanität – herangezogen. Dies stützt sich auf die Variation von Klassifikatoren (traditionell Determinative) in der Schreibung von Namen von Orten im ägyptischen Grenzgebiet. Derselbe Ortsname kann sowohl mit einem mit den Konzepten städtisch und ägyptisch assoziierten Klassifikator (Gardiner-Zeichenliste 049) als auch mit zwei Klassifikatoren, die mit dem Konzept Ausland verbunden werden (Gardiner-Zeichenliste N25 und T14), belegt sein. Diese Variation wird in Bezug zu historisch-politischen oder konzeptionellen Veränderungen des Grenzgebiets von Ägypten und u. a. der Levante gesetzt. Theorien sprachlicher Kategorisierung wurden bislang nicht einbezogen. Klassifikatoren sind aber vor allem sprachliche Elemente (Morpheme). Deswegen wird mein Beitrag exemplarisch anhand von hieroglyphischen und hieratischen Schreibungen des Namens der Stadt Sile (Tjaru) im nordöstlichen Nildelta diskutieren, wie mithilfe solcher Ansätze, insbesondere der Prototypentheorie,scheinbare Widersprüche in der Quellenlage aufgelöst werden können.


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eTopoi. Journal for Ancient Studies (ISSN 2192-2608)